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Herr Prof. Boccaccini im Gespräch mit der DGM-Presse

Interview mit Prof. Aldo R. Boccaccini, Leiter des Instituts für Biomaterialien der Universität Erlangen-Nürnberg, Vorsitzender des Argentinischen Komitees der MSE 2018, Internationaler Berater des Ministeriums für Wissenschaft und Technik in Argentinien und wissenschaftlicher Koordinator des Netzwerks für Argentinische Wissenschaftler in Deutschland

DGM-Presse: Was ist die derzeitige Situation im Bereich Materialwissenschaft und Werkstofftechnik in Argentinien?

Prof. Boccaccini: Auch wenn ich das Land vor fast 30 Jahren verlassen habe, bin ich immer noch mit vielen Instituten und Kollegen in regelmäßigem Kontakt, so dass ich hoffe, dass meine Antwort einigermaßen präzise ist. Argentinien hat im Moment einige Universitäten, an denen ein Abschluss in Werkstoffwissenschaften verliehen werden kann. Die erste Universität, die so einen Abschluss eingeführt hat, ist die Nationale Universität von Mar de Plata, die den Studiengang seit 1990 anbietet. Dort hat das Nationale Institut für Werkstofftechnologie (INTEMA), das auch föderale Förderung von der nationalen Forschungsorganisation (CONICET) erhält, ein umfangreiches Forschungsprogramm in den Hauptstudienrichtungen der Werkstofftechnik. Eine andere sehr wichtige Universität, die die Studienrichtung Materialwissenschaften anbietet, ist die Nationale Universität San Martin, über das Institut Sabato. Einige Universitäten bieten auch Doktorarbeiten im Bereich Werkstoffwissenschaften an. Zusätzlich, bedingt durch den interdisziplinären Charakter der Werkstoffkunde, gibt es an einigen anderen Universitäten in Departments wie Maschinenbau oder Chemieingenieurwesen auch Ausbildung in werkstoffrelevanten Themen. Die SAM (Argentinische Gesellschaft für Materialien) repräsentiert das Fachgebiet im Land, hat ca. 300 Mitglieder und organisiert jährliche Fachtagungen. Die SAM ist die Partnerorganisation in MSE2018.

DGM-Presse: Warum ist es wichtig, dass Argentinien als Partnerland an der MSE 2018 teilnimmt?

Prof. Boccaccini: Deutschland ist eins der wichtigsten Länder, mit denen Argentinien enge Forschungskollaborationen hat, wobei der Bereich Materialwissenschaften und Werkstofftechnik eines der Gebiete ist, auf dem die meisten Kooperationen zwischen den beiden Ländern stattfinden. Diese engen Kontakte in MSE werden definitiv unterstützt und profitieren von den gemeinsamen Förderinitiativen in dem Bereich. Ich freue mich, dass ich sowohl mit der DGM und Kollegen in Argentinien als auch mit argentinischen Kollegen an deutschen Universitäten und Forschungsinstituten zusammen arbeiten konnte, um, was wir hoffen, ein sehr starkes Programm anzubieten, das die Breite von Forschungsaktivitäten von gemeinsamen Arbeiten von argentinischen und deutschen Forschergruppen zu präsentieren. Tatsächlich nehmen mehr als 50 Kollegen aus Argentinien an unterschiedlichen MSE 2018 Symposien teil, einige von ihnen organisieren Symposien mit, und wir haben auch Prof. Mirta I. Aranguren von INTEMA eingeladen, die einen Plenarvortrag an der Tagung halten wird. Meine Hoffnung ist, dass die bemerkenswert hohe Teilnahme von argentinischen Kollegen und Studenten an MSE 2018 das Profil der Werkstoffforschung von Argentinien in Deutschland (und Europa) erhöhen wird, und somit dazu führt, dass existierende Forschungskollaborationen erweitert werden und sich auch neue bilaterale Projekte, Interaktionen und Partnerschafen ergeben.

DGM-Presse: Sie selbst sind als Doktorand von Argentinien nach Deutschland gekommen, wie ist Ihrer Meinung nach die Interaktion zwischen Studenten aus Argentinien an deutschen Universitäten?

Prof. Boccaccini: Tatsächlich ist es so, dass die Zahl der Studenten, die nach Deutschland kommt, um ihren Master oder Doktorarbeit zu machen, enorm ist, nicht nur, weil es eine Reihe von Möglichkeiten gibt (z.B. über DAAD), aber auch wegen des sehr hohen akademischen Levels der Universitätsausbildung in Argentinien generell, so auch bei Studiengängen im Bereich Materialwissenschaften und Werkstofftechnik. Somit können sich Studenten aus Argentinien sehr schnell an die Programme der deutschen Universitäten anpassen und ihr Studium erfolgreich beenden. Die große Anzahl von Forschern aus Argentinien, die in Deutschland leben, temporär oder permanent, spiegelt sich auch in der Gründung des Netzwerkes von Argentinischen Wissenschaftlern in Deutschland wider; eine der aktivsten Arbeitsgruppen dieses Netzwerkes ist die von Ingenieurwissenschaften und Werkstoffwissenschaften.



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