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Bericht: Johannes Brommer zur DGM-Exkursion zur Lufthansa AG

Am 5.10. trafen sich bei typischem Hamburger Schietwetter 13 Luftfahrtinteressierte an der Hamburger Lufthansabasis. Uns erwartete ein Einblick in den Alltag der Lufthansa Technik AG, der uns durch die DGM ermöglicht wurde.

Am Standort Hamburg arbeiten 8000 Mitarbeiter der deutsches Premiumairline und ihrer Tochterfirmen. Hamburg ist Firmensitz und Steuerzentrale der Technik, Flugzeuge und Teile werden hier überholt und gewartet. Unteranderem können im größten Hangar 2 gleichzeitig 747 Jumbo Jets und weitere Kurzstreckenflieger gewartet werden.

Die Lufthansa Technik AG wartet nicht nur Flugzeuge der großen Lufthansafamilie, die neben Eurowings, Austrian und Swiss, bald Teile der Airberlin Flotte enthalten wird. Airlines rund um den Globus verlassen sich auf die zuverlässige und schnelle Wartung made in Germany. 

Der MRO, Maintenance, Repair, Overhaul, Bereich ist ein sehr lukratives Geschäft um den sich viele Akteure streiten. Die Lufthansa Technik AG wartet Flugzeuge in verschienden globalen Wartungszentren, alle Checks sind in der Angebotspalette. Hier müssen sich die Deutschen Standorte mit den Lohnkosten anderer Standorte messen. In Deutschland sind die Arbeitsplätze für komplizierte und aufwendige Arbeitspakete sicher.

Ein Beispiel für solche Arbeit ist die Triebwerksüberholung, in der wir eine ausführliche Führung bekamen. Triebwerke der A320 und 737 Familie kommen nach dem Flugbetrieb zur Überholung in Transportkisten in Hamburg an. Hier werden sie inspiziert, bis auf die letzte Schraube demontiert und dann gewartet wieder zusammengesetzt. Reparaturen an Komponenten, Modulen und Baugruppen werden im Haus durchgeführt oder neue Teile eingebaut. Die Lufthansa Technik AG kann sich da auf ihre "inhouse" Expertise im Einkauf und in der Reparatur verlassen und somit den Kunden lukrative Angebote machen. Das Ganze muss natürlich schnell von Statten gehen, nur fliegende Flugzeuge verdienen Geld.

Vor allem stark beanspruchte Aggregate werden in Hamburg gewartet, Airlines in sandigen, heißen Gebieten oder mit Flugrouten in stark verschmutzen Metropolen erleben eine Wirkungsgradverschlechterung durch Abnutzung der durchströmten Komponenten. Da können die Mechaniker und Ingenieure in Hamburg glänzen und versprechen große Wirkungsgradverbesserungen, die mit niedrigerem Spritverbrauch einhergehen.

Frau Dr. Köster und Herr Dr. Peters haben uns ihren Arbeitsbereich, das Innovation Management and Product Development: Engine Services näher gebracht. Hier werden neue Reparaturverfahren entwickelt, die dann den Kunden als Service bereitgestellt werden können. In Zusammenarbeit mit den Triebwerksherstellern werden hier auch neuartige Reparaturen entwickelt und dann als neuer Standard etabliert. Beispielsweise bietet die Lufthansa Technik AG einen Premium Service an, bei dem ein Eingreifteam Reparaturen weltweit innerhalb von wenigen Stunden, „onwing“ durchführt.

Zum Mittagessen lud uns die Lufthansa Technik AG in die Kantine ein. Hier konnten wir bei schmackhaftem Essen direkt mit Managern der Personalabteilung über die Firma sprechen und sehr direkt Fragen stellen. Ich nutzte diese Gelegenheit ausführlich, die Lufthansa Technik AG präsentierte sich durchgehend positiv. Für Berufseinsteiger werden Praktika mit anschließender Möglichkeit auf eine Abschlussarbeit angeboten, die Firma legt Wert auf ein gegenseitiges Kennenlernen und bietet auch einige interessante Einstellungsmöglichkeiten für Young Professionals an. Neue Stellen werden zuerst intern ausgeschrieben um eine niedrige Fluktuation zu gewährleisten. Besonders wichtig war es den Mitarneitern der Personalabteilung ihr Traineeprogramm zu positionieren, in 18 Monaten können Trainees verschiedene Abteilungen des Unternehmens kennenlernen, Ausland inklusive. In jedem Jahr profitieren dabei 10 Trainees. Sie können ein großes Netzwerk aufbauen, erhalten attraktive Bezahlung und gute Bonies und können sie wertvolle Kenntnisse über die Luftfahrtbranche sammeln. Die Übernahmewahrscheinlichkeit und Zufriedenheit sind hoch.

Gestärkt nach dem Mittagessen schlossen wir unsere Führung in der Fahrwerksüberholung ab. Das Fahrwerk ist ein stark belastetes Bauteil, nicht nur strukturell sondern auch was Dreck und Verschmutzung angeht. Herr Olesch erklärte uns, dass die Landing Gears verölt und verschmutzt in Hamburg ankommen, also ist der erste Arbeitsschritt eine groß angelegte Säuberungsaktion. Die Demontage der Landing Gears erfordert noch ehrliche robuste Muskelarbeit. Danach werden die Teile auf Schäden untersucht, alle gängigen zerstörungsfreien Werkstoffprüfverfahren werden hier ausgenutzt um dem Kunden schnellstmöglich einen Update auf den Kostenvoranschlag zur Reparatur zu geben. Sicherheit steht selbstverständlich an erster Stelle und es werden keine Kompromisse gemacht, zur Not müssen Teile getauscht werden.

Als Abschluss konnten wir die Verbundmaterialabteilung besuchen, hier werden Teile aus verschiedensten Kunststoffen getestet und gewartet. Dieses Feld ist besonders Interessant, da in zukünftigen Flugzeuggenerationen der Anteil von Faserverbundwerkstoffen und Kunststoffen hoch sein wird. Unter anderem kann die Lufthansa Technik AG hier Kompetenzen im Bereich Engine Cauling, Thrust reverser struktures und Radome vorweisen. Ein riesiger Autoklav sorgt für Zukunftsicherheit im Bereich Faserverbundwerkstoffe.

Nach diesem gelungenen Tag danken wir der DGM, der Lufthansa Technik AG und insbesondere Frau Dr. Köster, Herrn Dr. Peters und Herrn Olesch.

Vielleicht sieht man sich als Kollege wieder auf der Basis im schönen Hamburg.

Johannes Brommer

 



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Redaktion: Dipl.-Ing. Fahima Fischer
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