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Von den Wirtschaftsingenieuren lernen? Die Hochschulgruppenversammlung in Braunschweig: von Uwe Arlic, Stellv. Bundessprecher jDGM-Ortsgruppen

Vom 29. November bis 3. Dezember 2017 fand in Braunschweiger Zentrum für Systembiologie (BRICS) die Hochschulgruppenversammlung der Wirtschaftsingenieure (HGV) statt. Das ist die größte Zusammenkunft studierender Wirtschaftsingenieure in Deutschland. Ich war bei dem zweitägigen Workshop zum Thema „Weiterbildung, Hochschulgruppenorganisation und Organisation“ des Bundesverbands VWI dabei. Dabei konnte ich leider nicht an allen Veranstaltungen teilnehmen, da viele davon parallel stattfanden:

Die Pläne wurden entsprechend der Tätigkeitsprofile der Teilnehmer im Rahmen der Vereinsstruktur organisiert.

 

Bereits am ersten Tag des Workshops hatte ich zwischen 17:00 und 18:00 Uhr die Gelegenheit zur Präsentation der DGM im Allgemeinen und der Jung-DGM im Besonderen. Versammelt waren rund 200 Mitglieder aus 35 Hochschulgruppen, sowie des Netzwerkes „European Students of Industrial Engineering and Management“ (ESTIEM), dessen Zugehörigkeiten sich zum Teil mit dem VWI überlappen. Die Atmosphäre war ausgelassen und produktiv und, sobald wichtige Entscheidungen anstanden, äußerst professionell. Da jede Hochschulgruppe vereinsrechtlich und eigenständig organisiert ist, werden anstehende Entscheidungsprozesse sehr formal durchgeführt, inkl. Prüfgesellschaft

Im Workshop „Mitgliedergewinnung / -erhaltung“ wurden verschiedene Ansätze und Konzepte zusammengetragen, um Neumitglieder zu werben, sowie Aktive und Alumni in jedem Ortsverein zu halten. Bedingt durch die Vereinsstruktur, sind die Mitglieder in den Ortsgruppen vereinsrechtlich organisiert und dort die Alumni die finanziell tragende Säule; der schwache Übergang von Mitgliedern der Hochschulgruppen in den Voll VWI ist derzeit ein stark diskutiertes Thema. Das grundsätzliche Interesse unter den annähernd 90.000 Studenten des Studiengangs ist offenbar groß, die Aktivierungsquote liegt aber letztendlich nur bei durchschnittlich etwa 6 Prozent, darunter vielfach Doppel- und Mehrfachengagements im Rahmen des ESTIEM und der Fachschaften.

Im Workshop wurden verschiedene Möglichkeiten diskutiert und eruiert, vor allem regelmäßige Treffen und Veranstaltungen - bis zu 15 pro Semester, regional sowie überregional - .“Tandems“ aus etablierten und jungen Mitgliedern, Einbindung in gemeinsame Aktivitäten (die Neuen organisieren die Weihnachtsfeier) sowie umfangreiche Angebote über Workshops, VWI-Weiterbildungen des Bundesverband mit eigenen zertifizierten oder externen Trainern) und Off-Topic- Veranstaltungen.

Ein Mitglied im VWI muss Student oder Absolvent der Wirtschaftswissenschaften sein. Die jährlichen Mitgliedsbeiträge belaufen sich je nach Status auf 30 Euro (Nachwuchs), 70 Euro (Absolvent/Jungmitglied) und 120 Euro (Alumni). Diese Beiträge amortisieren sich durch Teilnahmen an Veranstaltungen und massive Rabatte für verschiedene Versicherungstarife, die sich zum Teil auf fast 1.000 Euro im Jahr belaufen können.

Aktive werden mit Workshops oder Anleitungen für die anstehende Vereinsarbeit geschult, etwa für das Präsentations- und Mediatoren-Training, die Vorstandsarbeit, die Akquise von Spendengeldern oder das PR-Management. Dabei sind Teile dieser Schulungen von der späteren beruflichen Bedeutung schon fast mit den DGM-Fortbildungen vergleichbar.

Durch die Organisation des VWI auf Bundes- und Regionalebene (Nord, Süd, Ost West) nehmen die Mitglieder im Jahr durchschnittlich an fünf teil, mindestens fünf, oft auch an bis zu zehn überregionalen Veranstaltungen teil, die als Pflichtveranstaltungen für die Vorstände bzw. Delegationen gelten. Dabei wir sehr auf einen ausgewogenen Mix aus Arbeit und Netzwerken in entspannter Atmosphäre geachtet. Die Kosten werden dabei zumeist über den ausrichtenden Ortsverein getragen (Spenden, Finanzmittel, Teilnahmegebühren)

Hinsichtlich Industrie-Spendengenerierung wurde im Workshop auch über ein Vereinheitlichungskonzept mit Hilfe von Preislisten oder einer Organisation auf Bundesverbandsebene gesprochen, da sich einzelne Hochschulgruppen mit ihren Veranstaltungen vor allem überregional, aber zum Teil auch regional in Konkurrenz zueinander wiederfinden. Dabei sollen die diversen überregionalen Veranstaltungen zukünftig an Bewerber mit einem Jahr Vorlauf per Wahl durch die gesamten Hochschulgruppen vergeben werden.

Im Workshop „HG Organisation“, an dem ich ebenfalls teilnahm, wurden Konzepte zum Aufbau und der Organisation der einzelnen Hochschulgruppen vorgestellt. Die Einteilung der Diskussionsgruppen wurde in 5 Kategorien an Hand der Mitgliederzahlen vorgenommen und dabei neue Hochschulgruppen mit vereinsrechtlich mindestens sieben Aktiven von Kleingruppen. (ca. 20 Aktive). mittleren (ca. 50 Aktive), großen (zwischen 100 und 150 Aktiven) und sehr großen (über 250 Aktiven) unterschieden.

Für mich war der offene Gedankenaustausch im Rahmen der neuen und der Kleingruppen am interessantesten. Für diese gibt es sehr kurze Organisationswege, alle Ansprechpartner vor Ort sind involviert Da alles in Eigenverantwortung geschieht, kann über die Mittel frei verfügt werden.  Auch längere Engagements sind möglich und erwünscht. (Bundesteam und regional Organisation rotieren jährlich, da das Engagement praktisch das Studienjahr killt), Offenbar ist durch lokale Bindungen an den Standort und durch Mixt-Veranstaltungen auch unter den Alumni ein sehr hohes Gemeinschaftsgefühl, entstanden.

Die vom Bundesverband als Optimum angebotenen Organisationssysteme richten sich aber vermehrt auf die überwiegenden HG der Größe Mittel und darüber. Diese umfassen ein 7-köpfiges Vorstandsteam, sowie mehrere Ebenen aus Beirat/Veteranenrat, Gruppen- und Resorts-Leitungen.

Die Finanzierung der einzelnen Hochschulgruppen erfolgt primär über Mitgliedsbeiträge, namentlich die der Alumni sowie das Engagement der Aktiven und Spenden von Alumni und Unternehmen. Gründungen neuer Gruppen werden meist durch eine Kick-off Finanzierung des Bundesverbands unterstützt.

Auch die weiteren von mir besuchten Workshops zum Konfliktmanagement oder zu Präsentationstechniken haben auf mich einen professionellen und sehr guten Eindruck gemacht. Das Rahmenprogramm der HGV war in etwa vergleichbar mit dem der WerkstoffWoche 2017 in Dresden. Die Ausrichtung an einem studentischen Publikum war deutlich spürbar.

Die Hochschulgruppenversammlung der Wirtschaftsingenieure finanziert sich über eine Teilnahmegebühr von 80 Euro pro Person, sowie durch Geldspenden (hierfür gibt es einen definierten Spendenkatalog) und Sachmittel; zusätzliche Gelder wurden über Standgebühren auf der eigenen Karrieremesse generiert.

Alles in allem habe ich auf der HGV und den dortigen Workshops viel interessanten Input für Ideen und Aktivitäten bekommen. Auffallend war für mich auch, dass der VWI ganz anders organisiert ist als die DGM: Entscheidungen und Verantwortungen werden autark und komplett regional getroffen und verteilt. Bedingt durch diese Vereinsstruktur und die Mitgliederzahlen, die in etwa denen der DGM entsprechen, wird die Arbeit schon früh sehr professionell. Auch umgeht der VWI jene Probleme, die in der DGM bezüglich von Finanzierung, Organisation und Kommunikation bestehen, durch die lokale Struktur. Das ermöglicht flexible Um- und Neugründungen, schwächt aber auch in gewissen Maßen das Gesamtprofil. Aufgrund der teils. hohen Dichte an Hochschulgruppen in einzelnen Regionen entstehen Konkurrenzsituationen. Aktuell ist das noch nicht problematisch, dürfte sich aber bei Abkühlung der wirtschaftlichen Gesamtsituation (abnehmende Spendenbereitschaft) bemerkbar machen.

Uwe Arlic: Stellvertretender. Bundessprecher der jDGM-Ortsgruppen



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