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Zum Tode von Günther Scharf

Wir trauern um Dr.-Ing. Günther Scharf. Er starb am 17. April 2019 im 88sten Lebensjahr. Seit 1958, als er in den Forschungsbereich der VAW eintrat, war er dem Aluminium eng verbunden. Als er Ende 1995 in den Ruhestand ging, war er gemeinsam mit Dr. Edgar Lossack Leiter der F&E der VAW aluminium AG Bonn und Leiter der Hauptabteilung Aluminium-Werkstoffe und Oberflächentechnik. Er hatte maßgeblichen Anteil an den Entwicklungen auf dem Gebiet der Verarbeitung und Veredlung von Aluminium-Werkstoffen.

Günther Scharf studierte Metallhüttenkunde und Elektrometallurgie an der Bergakademie Clausthal, wo er 1957 die Diplom-Prüfung ablegte. Seine berufliche Laufbahn begann in der Hüttenversuchsanlage von Fried. Krupp in Essen. Im Oktober 1958 wechselte er nach Bonn in den Forschungsbereich der VAW. Dort befasste er sich unter anderem mit Fragen der Bildung von Ausscheidungen, der Rekristallisation und des Kornwachstums, insbesondere im Zusammenhang mit technischen Formgebungsverfahren wie dem Strangpressen und Walzen. Diese Arbeiten führten zu seinem umfassenden Verständnis metallkundlicher Vorgänge und auch zur Promotion 1969 durch die RWTH Aachen.

Neben den Arbeiten zur Halbzeugherstellung hat sich Günther Scharf mit verschiedensten speziellen Themen befasst. Hier zu erwähnen ist die Herstellung von Folien aus höchstreinem Aluminium ebenso wie die Optimierung von Bändern für den Offsetdruck. Auch die Entwicklung neuer pulvermetallurgischer Werkstoffe, von AlLi-Legierungen und partikel- oder faserverstärkten Werkstoffen wurde unter seiner Leitung betrieben.

Dennoch blieben das Strangpressen und die vorzugsweise dabei verwendeten AlMgSi-Legierungen immer in seinem Fokus. Von 1980 bis 1987 leitete er den Arbeitskreis Forschung im Fachausschuss Strangpressen der DGM. 1986 trieb er aktiv die Gründung des Fördervereins am Forschungszentrum Strangpressen der TU Berlin voran. Seit 1985 nahm Günther Scharf auch einen Lehrauftrag am Lehrstuhl für Werkstoffwissenschaften der Ruhr-Universität Bochum wahr. Vielen Studierenden zeigte er die Vorzüge, Besonderheiten und vielfältigen Möglichkeiten der Aluminium-Werkstoffe.

Bei solch erfolgreicher Arbeit blieben Ehrungen nicht aus, insbesondere auch deshalb, weil er immer bereit war, sein Wissen in den Dienst gemeinschaftlicher Anliegen der Branche zu stellen. Schon 1969 fanden seine wissenschaftlichen Leistungen besondere Anerkennung durch die Verleihung des Georg-Sachs-Preises der DGM. 1988 wurde er in den Vorstand er Gesellschaft berufen. Im Jahr 1995 schließlich verlieh ihm die DGM die Ehrenmitgliedschaft.

Nach seinem Übertritt in den Ruhestand führte er noch einige Jahre die Vorlesungen in Bochum fort und stand der VAW für spezielle Themen als Berater zur Verfügung. Daneben aber begab er sich nochmals an die Universität und hörte Vorlesungen zu Geschichts- und Religionswissenschaften, wofür er sich schon lange interessierte.

Alle die ihn kannten, schätzten ihn über das Fachlich-wissenschaftliche hinaus als engagierten, aufgeschlossenen und sympathischen Menschen. Sie werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Wolf-Dieter Finkelnburg

 



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