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Nachruf Prof. Dr. Wolfgang Bunk

Mit großer Betroffenheit haben wir vom Tod unseres früheren Institutsdirektors und ehemaligen DGM-Vorsitzenden erfahren. Am 30.09.2017 verstarb Prof. Dr. rer. nat. Wolfgang Bunk im Alter von 90 Jahren.

Geboren am 3. August 1927 in Schwarzwald, Provinz Posen, teilte er zu Kriegsende mit Flucht und Vertreibung aus der Heimat das Schicksal vieler Schlesier. Nach dem Abitur 1947 in Bielefeld-Bethel nahm er das Studium der Metallkunde an der Universität Göttingen auf, das er 1953 beim Altmeister der Göttinger Metallkunde Prof. Dr. Georg Masing mit einer Doktorarbeit über das Thema „Texturen von Aluminiumblechen“ abschloss. Sein beruflicher Werdegang begann 1953 bei der Fa. Julius und August Erbslöh in Wuppertal, einem der führenden deutschen Aluminium Walz- und Presswerke. Hier war er gerade 4 Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig, als ihn die Firmenleitung bereits in die Geschäftsführung berief, zunächst als stellvertretenden und ab 1963 dann als ordentlichen Geschäftsführer für den Bereich Forschung und Entwicklung.

1970 übernahm er als Direktor das Institut für Werkstoff-Forschung an der damaligen „Deutsche Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt“ (DFVLR) in Porz-Wahn. Hier kamen ihm seine ausgeprägte Managementbegabung und die zuvor erworbenen Kenntnisse in der Industrie zugute. Er übernahm hier ein noch sehr junges Institut, das sich in den Jahrzehnten unter seiner engagierten Leitung bis zu seinem Ausscheiden im August 1992 zu einer national wie international anerkannten Forschungseinrichtung der Luft- und Raumfahrt entwickelte. Er war 22 Jahre Institutsleiter und hatte damit die längste Amtszeit im Institut für Werkstoff-Forschung inne, welches in diesen Tagen auf 50 erfolgreiche Jahre im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) am Standort in Köln-Porz zurückblickt.

Für das überaus erfolgreiches Wirken von Prof. Bunk im Institut, dem DLR und in der nationalen und internationalen Forschung seien einige Beispiele genannt. Er erkannte schnell, dass das Aufgabenspektrum des Instituts nicht auf die klassischen Luftfahrtwerkstoffe begrenzt bleiben konnte. Auf seine Initiative hin wurde das Institut um neue Arbeitsgebiete wie Keramik, metallische Verbundwerkstoffe, biaxiale Werkstoff-Prüfung und Hochtemperaturbeschichtungen erweitert. Diese Impulse wirken teilweise bis in die heutigen Forschungsthemen des Instituts. Die Mitarbeiterzahl verdreifachte sich und stieg auf über 100. Unter seiner Leitung promovierten über 30 Doktoranden des Instituts und zahlreiche seiner Mitarbeiter erhielten Rufe an renommierte Lehrstühle und Universitäten. Dies spiegelt letztlich auch wider, welche Bedeutung Wolfgang Bunk der Grundlagenforschung beimaß. Sie bildete für ihn die Basis für den Erfolg des Instituts. So kommt es nicht von ungefähr, dass unter seiner Ägide mehr als 70 Anträge bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft gestellt wurden. Auf ihn gehen auch maßgebliche Forschungsimpulse im Bereich der Materialwissenschaften zurück, so zum Beispiel die „Gradientenwerkstoffe“. Diese Idee, bei einem seiner zahlreichen Japan-Aufenthalte gereift, führte zunächst zur Initiierung eines DFG-Schwerpunktprogramms gleichen Namens und mündete später in eine industrielle  Fördermaßnahme im Rahmen des Materialforschungsprogramms des Bundesministeriums für Forschung und Technologie (BMFT).

Die Gewährung öffentlicher Gelder zu Forschungszwecken bedeutete Wolfgang Bunk auch immer Verpflichtung, über deren gewissenhafte und effiziente Verwendung Rechenschaft abzulegen. So führte er 1973 als erster im DLR ein, dass alljährlich im Rahmen eines Kolloquiums seine Mitarbeiter zusammen mit nationalen und internationalen Referenten den aktuellen Forschungstand eines ausgewählten Gebiets der Öffentlichkeit präsentieren. Auch seine Nachfolger – Prof. W.A. Kaysser, Prof. C. Leyens und Prof. H. Voggenreiter – führten bzw. führen diese Tradition bis zum heutigen Tag fort. Eng verbunden mit dem Namen Wolfgang Bunk bleibt auch die Projektträgerschaft des BMFT-Forschungsprogramms „Metallurgie, Werkstoffentwicklung, Rückgewinnung“, die er mehr als 10 Jahre lang leitete und in deren Verlauf er für die Förderung von über 100 Industrieforschungsprojekten verantwortlich zeichnete.

Eng war auch seine Kooperation mit der RWTH Aachen, wo er seit 1974 den Lehrstuhl für „Angewandte Metallkunde der Nicht-Eisen-Werkstoffe“ innehatte. Seine Vorlesungen und die dazugehörigen praktischen Übungen im Institut für Werkstoff-Forschung des DLR erfreuten sich bei den Studenten großer Beliebtheit.

Der Bedeutung wissenschaftlich-technischer Gesellschaften als Bindeglied zwischen Grundlagenforschung und Anwendung sowie zwischen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Industrie war sich Wolfgang Bunk von Beginn seiner Karriere an bewusst. So hat er die Deutsche Gesellschaft für Materialkunde e.V., damals noch Deutsche Gesellschaft für Metallkunde e.V. (DGM), über viele Jahre aktiv mit gestaltet, ihr richtungweisende Impulse gegeben und ihrem Ansehen im In- und Ausland Profil verliehen. Von 1967 bis 1970 gehörte er dem Vorstand der DGM an, von 1981 bis 1982 wurde er zu ihrem Vorsitzenden gewählt, und danach bekleidete er noch weitere zwei Jahre das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden. In seiner Amtszeit setzte er sich vor allem für die Einführung und Organisation von Fortbildungsseminaren ein. Ein weiteres Anliegen war die Intensivierung der Kooperationen mit anderen Fachgesellschaften im In- und Ausland. Für sein Engagement und seine großen Verdienste um die Gesellschaft verlieh ihm die DGM auf ihrer Hauptversammlung in Graz im Mai 1991 die Ehrenmitgliedschaft.

Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass Wolfgang Bunk - geprägt durch die bitteren Erfahrungen in der Jugend und durch sein christlich-soziales Weltbild - es als eine Verpflichtung empfand, nach der Wende 1989 seinen persönlichen Beitrag zur Verwirklichung der deutschen Einheit zu leisten, und zwar auf dem Forschungs- und Entwicklungsgebiet. Früh knüpfte er Kontakte zu den außeruniversitären Werkstoff-Forschungseinrichtungen in Sachsen sowie zur Bergakademie Freiberg und der Technischen Universität Dresden. Doch machte er nicht an der deutschen Grenze halt, sondern ging auch auf Forschungseinrichtungen osteuropäischer Staaten, insbesondere Polens, zu. Nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Berufsleben widmete er sich seinem Steckenpferd, der Archäometallurgie. Meist führte er die Arbeiten gemeinsam mit dem Gießerei-Institut der RWTH Aachen oder der TU Bergakademie Freiberg durch; gefördert wurden sie - wie auch seine Doktoranden - durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Volkswagen-Stiftung.

Besonders hervorzuheben gilt es zu guter Letzt, dass Wolfgang Bunk in seinem Berufsleben Tugenden, die man gemeinhin als preußische zu bezeichnen pflegt – allen voran Integrität und Toleranz - in eindrucksvoller Weise verkörpert hat. Wir schätzen und erinnern uns mit Dankbarkeit an einen stets fördernden und fordernden, zutiefst menschlichen und toleranten Werkstoffwissenschaftler und Institutsleiter, der mit seinen herausragenden Fähigkeiten für Wissenschaftsorganisation und -kooperation das Institut für Werkstoff-Forschung im DLR nachhaltig geprägt hat. Wir werden ihn in dankbarer Erinnerung behalten.

 

Dr. Manfred Peters, Prof. Dr. Uwe Schulz, Prof. Dr. Heinz Voggenreiter 



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