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Nachruf: Professor Dr. phil. Barry Leslie Mordike

Im Alter von 83. Lebensjahres ist Prof. Dr. phil Barry Leslie Mordike, der ehemalige Leiter des Instituts für Werkstoffkunde und Werkstofftechnik der Technischen Universität Clausthal, am 23. Februar 2018 auf Malta verstorben.

Barry Mordike studierte Metallphysik an der Universität Birmingham und schloss 1956 sein Studium mit dem BSc (Hons) ab. Danach ging er nach Cambridge und promovierte im Sommer 1959 am Cavendish Laboratory, Department of Physics der University of Cambridge. Nach seinem Abschluss setzte er seine Forschung am Institut für Metallphysik der Universität Göttingen als wissenschaftlicher Assistent bei Prof. Peter Haasen fort. 1963-1966 war Lecturer für Materials an der School of Electronic Engineering, University College of North Wales, Bangor bei Professor R.W. Cahn. Im September 1966 nahm er eine Stelle als Senior Lecturer in der Abteilung für Metallurgie an der Universität von Liverpool an, wo er bis Ende 1976 blieb. Im Dezember 1976 wurde er an den neu geschaffenen Lehrstuhl für Werkstofftechnik und Technologie an der Technischen Universität Clausthal berufen. Er blieb in Clausthal, bis er im Oktober 1999 emeritiert wurde. Neben seiner akademischen Tätigkeit gründete er 1989 mit Unterstützung der niedersächsischen Landesregierung das Zentrum für Funktionswerkstoffe gGmbH (ZFW Clausthal), eine Kooperation mit der TU Clausthal und der Universität Göttingen. Er war Geschäftsführer des ZFW Clausthal bis 2002.  Zwischenzeitlich hatte Prof. Mordike eine Kooperation (1995-1996) mit dem Bremer Fraunhofer-Institut für Angewandte Materialforschung (IFAM), das in Clausthal-Zellerfeld ein Anwendungszentrum für die Erzeugung von Metallpulver einrichtete. Das in eigener Regie arbeitende Zentrum bot Forschungsdienstleistungen auf den Gebieten Metallpulvererzeugung, Pulvercharakterisierung und Legierungsentwicklung an.

Zu Beginn seiner Karriere konzentrierten seine Forschungsinteressen zunächst auf Grundlagen der Verformungsvorgänge, der Rissinitierung und des Kristallwachstums sowie auf Untersuchungen zu Festigkeitsmechanismen in Metallen. Später änderte er seinen Schwerpunkt und er entwickelte Interesse an angewandter Forschung. Er begann mit der Entwicklung von Magnesiumlegierungen (1972), Arbeiten zur Pulvermetallurgie (1973) und Lasertechnologie (1976). Im Institut für Werkstoffkunde und Werkstofftechnik der TU Clausthal baute er schnell ein beträchtliches Forschungspotenzial auf und widmete sich einer Vielzahl von Themen. Seine Kompetenzen in der Entwicklung fortschrittlicher Magnesiumlegierungen führten zur Realisierung des Sonderforschungsbereichs 390 "Magnesiumtechnologie" der TU Clausthal und der Universität Hannover (1995-2000).

Die Zeit als Institutsleiter an der TU Clausthal wird für seine Beiträge zur Laseroberflächenbehandlung von Werkstoffen, zur Entwicklung von Magnesium-Legierungen, im Bereich der Pulvermetallurgie und metallischen Verbundwerkstoffen und in der Oberflächentechnik, insbesondere der Plasma-Immersionstechnologie, in Erinnerung bleiben. Seine herausragende Stellung in der Werkstoffforschungsgemeinschaft wird dokumentiert durch seine aktive Publikationstätigkeit von 258 referierten und gut zitierten Originalarbeiten. Er ist auch Co-Autor mehrerer wissenschaftlicher Bücher wie z.B. das ASM Special Handbook „Magnesium and Magnesium Alloys“ und die Monographie „H.E. Friedrich, B.L. Mordike: Magnesium Technology“. Nach seiner Emeritierung im Jahr 1999 führte er seine Forschungstätigkeit zunächst mit Hilfe des ZFW Clausthal fort und hatte 2003 einen einjährigen Forschungsaufenthalt an der Monash University in Melbourne/Australien.

Prof Barry Leslie Mordike war international extrem gut vernetzt. Eine Vielzahl von Forschungsaufenthalten in Frankreich, Australien, Indien und Malta formten ein nachhaltiges internationales Forschungsnetzwerk. Seine Vorlieben lagen in Aufenthalten an der Université de Caen/Frankeich und University of Malta. In Malta half er seit 1990 als Visiting Professor das Department „Metallurgy and Materials Engineering“ mit aufzubauen, was dazu führte, dass enge Kontakte mit seinen Kollegen entstanden, ihn bewog nach seiner Emeritierung die Unterstützung zu verstärken und schließlich sein Lebensabend dort zu verbringen. In Malta ist er auch nach langer Krankheit verstorben.

Eine herausragende Eigenschaft von Prof. Mordike war sein ausgleichendes Wesen, seine Fairness und sein diplomatisches Geschick. Zusammen mit seiner großen Fachkompetenz sind das Attribute, die dazu beigetragen haben, dass seine ehemaligen Studenten, Doktoranden und Mitarbeiter, nach ihrem Aufenthalt an der TU Clausthal, ihren Weg in die Karriere gefunden haben. Seine Kollegen und Kolleginnen, ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Studenten und Doktoranden werden ihn so in Erinnerung behalten und ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Prof. Dr.-Ing. Karl Ulrich Kainer



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